Bild: Hossam Mahmoud © Stefanie Schenker

Festival KLANGSPUREN | HÖREND EINANDER BEGEGNEN

Sonntag, 26. September 2021, 20:00 Uhr (Innsbruck, Jesuitenkirche, Karl-Rahner-Platz 2)

Programm

Klaus Huber (1924‒2017)
...à l'âme de marcher sur ses pieds de soie...
Kammerkonzert für Solo-Violoncello, Solo-Baryton, Countertenor und neun InstrumentalistInnen
auf Auszüge aus einem Gedicht von Mahmoud Darwisch (2002-2004, ÖEA

Eine Frau sprach zur Wolke: bedecke du meinen Geliebten,
Denn meine Kleider sind durchnässt von seinem Blut.

Wenn du nicht Regen bist, meine Liebe,
Sei Baum
Gesättigt von Fruchtbarkeit, sei Baum
Wenn du nicht Baum bist, meine Liebe,
Sei Stein
Gesättigt von Feuchtigkeit, sei Stein
Wenn du nicht Stein bist, meine Liebe,
Sei Mond
Im Traum der Geliebten, sei Mond
So sprach eine Frau zu ihrem Sohn, als er begraben wurde.

Die Seele muss vom Reittier steigen
Und gehn auf ihren Seidenfüßen
Mir zur Seite, Hand in Hand, wie zwei Freunde
Seit langer Zeit, die sich das alte Brot teilen
Und das Glas alten Weins,
Dass wir zusammen diesen Weg gehen
Bis unsere Tage verschiedene Richtung nehmen:
Ich, jenseits der Natur; was sie betrifft,
Wird sie es vorziehen, sich auf hochragendem Felsen
niederzuducken.

Auf meinen Trümmern wächst grün der Schatten,
Und der Wolf döst auf der Haut meiner Ziege.
Er träumt wie ich, wie der Engel
Dass das Leben hier ist... nicht dort unten.

Im Zustand der Belagerung wird die Zeit zum Raum,
Versteinert in ihrer Ewigkeit.

Oh, Wachen! Seid ihr es denn nicht müde
Dem Licht aufzulauern in unserem Salz
Und dem Weißglühen der Rose in unserer Wunde
Seid ihr es denn nicht müde, ihr Wachen?

Friede sei mit ihm, der mit mir die Erwartung teilt
Die Trunkenheit des Lichts, das Licht des Schmetterlings in
Der Schwärze dieses Tunnels.

Aus : "Le Monde Diplomatique", April 2002
in französischer Übersetzung aus dem Arabischen (Palastinensischen)
von Salma Ben Abda und Hassan Chami
aus dem Französischen ins Deutsche übertagen von Klaus Huber


Hossam Mahmoud (*1965)
Innehalten
für Ney, Riqq und Ensemble (2017)

 

Mitwirkende

œnm . œsterreichisches ensemble fuer neue musik 

Irmgard Messin, Flöte
Vera Klug, Flöte
Markus Sepperer, Oboe
Theodor Burkali, Klarinette
Žarko Perišić, Fagott
Stefan Konzett, Posaune
Lotte Nuria Adler, Mandoline/Mandola
Jürgen Ruck, Gitarre
Johanna Ponzer, Harfe
Andraž Frece, Akkordeon
Andreas Aigmüller, Schlagwerk
David Christopher Panzl, Schlagwerk
Jacobo Hernández Enríquez, Violine
Victor Lowrie Tafoya, Viola
Verena Sennekamp, Violoncello
Anna Zimre, Viola da gamba
Michael Seifried, Kontrabass

Solisten (Huber):

Michael Moser, Violoncello 
Christoph Urbanetz, Baryton
Kai Wessel, Countertenor
Mohamad Fityan, Ney
Elias Aboud, arabische Percussion

Beat Furrer, Dirigent (Huber)


Am Ende des Festivals Klangspuren '21 gilt es innezuhalten, den Raum für freie Gedanken zu öffnen, einen Platz für stille Einkehr zu finden. Mit einer Begegnung verschiedener Kulturen endet das Festival so, wie es begonnen hat. Doch diesmal sind die Akzente etwas anders gesetzt, liegen stärker auf dem Spirituellen und der Besinnung auf das Wesentliche: einen Weg zu finden, der auch die Kommunikation mit dem Fremden, Nicht-Vertrauten zulässt. Der Schweizer Komponist Klaus Huber schlug diese herausfordernde Route ein und setzte sich jahrzehntelang intensiv mit der arabischen Musiktradition auseinander. Das Opus summum aus dieser Beschäftigung klingt bemerkenswert: Denn "Die Seele muss vom Reittier steigen", so der Titel der ursprünglichen Orchesterfassung, ist ein Stück neuer Musik, das dennoch ganz auf arabischen Kompositionsprinzipien beruht, auf der Drittel- und Vierteltönigkeit, die dem aus Ägypten stammenden und in Salzburg lebenden Komponisten Hossam Mahmoud seit seiner Kindheit vertraut sind. Auch sein Ensemblestück "Innehalten" setzt aufs Dialogische, aufs genaue Einander-Zuhören, das die MusikerInnen durch die Partitur geleitet. Ein schöneres Plädoyer für die Kraft des Miteinanders könnte man kaum formulieren. 

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