Bild: Szenbild "Schatten" © Filmmuseum Berlin, Deutsche Kinemathek

Zyklus 3: Schatten

Samstag, 10. März 2018, 19:30 Uhr (Salzburg, Universität Mozarteum, Solitär) - Tickets

Programm

STUMMFILM MIT LIVE-MUSIK

Johannes KALITZKE
Schatten
Eine nächtliche Halluzination
(Österreichische Erstaufführung)

Musikalischer Irrgarten zum gleichnamigen Stummfilm von Arthur Robison (1923) für zehn Instrumente

Mitwirkende

œnm . österreichisches ensemble für neue musik
Johannes Kalitzke, Dirigent


Film, Filmmusik und Sounddesign sind seit jeher eng verzahnt mit dem rasanten technologischen Fortschritt. Beim heute erreichten Stand digitaler Kunstfertigkeit – welche Aussagekraft soll da noch ein verstaubtes Pionierwerk des Stummfilms haben? Und kann komponierte Filmmusik, live gespielt auf echten Instrumenten, mehr sein als nur wohlige Nostalgie?

Johannes Kalitzkes Filmmusik zu "Schatten" legt den Finger in die Wunde der schönen, virtuellen Klangwelt. Denn egal wie groß das technische Aufgebot für einen heutigen Blockbuster auch sein mag, Filmmusik folgt seit bald 100 Jahren dem üblichen Muster: Sie bleibt am jeweiligen Moment des Films haften, für den sie komponiert ist. Modernes Sounddesign wiederum kann zwar mit Millionen von Samples und Klangeffekten aufwarten, um die von der Handlung vorgegebenen Geräusche bis ins Surreale zu überzeichnen. Doch bei aller Virtuosität entsteht daraus nur selten eine kompositorische Deutungsebene über die Dauer des ganzen Films hinweg. Dieser Anspruch, so scheint es, wird kaum einmal auch nur erhoben.

Im Gegensatz dazu reflektiert Kalitzke aus der historischen Distanz heraus den vertonten Film als Ganzes, den Handlungsverlauf ebenso wie die gestalterischen Mittel. Arthur Robisons 1923 entstandenes Meisterwerk Schatten bietet dafür reichlich Anknüpfungspunkte. Der Hauptprotagonist, eifersüchtiger Ehemann einer schönen jungen Frau, verheddert sich im Gestrüpp trügerischer Schattenwürfe auf den Mauern seiner Villa, die seine Gattin beim Anbandeln mit drei Kavalieren zeigen. Ein Schausteller, der die Situation in ihrer Gefährlichkeit erfasst, hypnotisiert die Gesellschaft bei Tisch. In einem Schattenspiel führt er die unter der Oberfläche brodelnden Leidenschaften zu einem katastrophalen Ende. Auf das geläuterte Erwachen aus der Hypnose folgt ein Friedensschluss, dem man nach dem bisher Gesehenen allerdings kaum trauen mag.

So spektakulär Robisons Bildsprache auch heute noch ist, Kalitzkes Musik illustriert das filmische Geschehen nie direkt. Sie doppelt nicht das ohnehin Sichtbare, sondern spürt vielmehr den verborgenen Konflikten und Konstellationen nach, die die Handlung vorantreiben. Wo der Film Trugbilder wirft, bringt die Musik die verdrängten Wünsche der Protagonisten ans Licht. Und auf das scheinbar glückliche Ende fällt aus der Distanz ein langer, düsterer Schatten.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne und in Kooperation mit der Universität Mozarteum.