Zyklus 2: Mikrophonie

Samstag, 13. Januar 2018, 19:30 Uhr (Salzburg, Universität Mozarteum, Solitär) - Tickets

Programm

Erin GEE
Mouthpiece I für Stimme Solo
Mouthpiece: Segment of the 3rd letter für Stimme und Ensemble
Mouthpiece XXIV für Tenorsaxophon und Perkussion
Mouthpiece VI für Stimme und Ensemble
Mouthpiece VII für Stimme und Ensemble

*Pause*

Karlheinz STOCKHAUSEN
MIKROPHONIE I für 6 Spieler mit Tamtam, 2 Mikrophonen, 2 Filtern mit Reglern

*Pause*

Simon STEEN-ANDERSEN
On And Off And To And Fro für Ensemble

Mitwirkende

œnm . österreichisches ensemble für neue musik
Anna Maria Pammer, Sopran
Michael Pattmann, Einstudierung (MIKROPHONIE I)


Schon seit längerem ist dem klassischen Konzertpublikum bewusst, dass seine Art Musik zu hören ein kostspieliger Ausnahmefall geworden ist: Hochprofessionelle Orchester spielen auf wertvollen Instrumenten in architektonisch aufwendig gestalteten Sälen, abgeschirmt von jeder äußeren Störung. Unendliche Klangnuancen und die denkbar größte Bandbreite an realisierbarer Lautstärke sind der Lohn. In der Geräuschkulisse außerhalb des Konzertsaals jedoch wird Musik elektroakustisch verstärkt oder von der Konserve abgespielt und damit oft genug selbst als Lärm wahrgenommen.
Weder brechen wir angesichts dieses Befundes in Wehklagen aus, noch möchten wir den entstandenen Verlust an musikalischer Subtilität kleinreden. Stattdessen drehen wir den Spieß um und rücken die Technologie hinter dieser Entwicklung in den Vordergrund.

Grundsätzlich strebt die Aufnahme- und Verstärkungstechnik danach, ihre eigenen Prozesse unhörbar und unsichtbar zu machen. Das hochentwickelte Wissen der Toningenieure sowie der technologische Wettlauf um die verzerrungsärmsten Schaltungen, die sensibelsten Membrane und den unauffälligsten Formfaktor sollen dem verstärkten Klang den größtmöglichen Anschein der Natürlichkeit verleihen.

Dagegen wird die verwendete Technologie nur selten selbst zum Teil der Performance, noch seltener findet sie Eingang in kompositorische Prozesse. Dieses Zykluskonzert widmen wir drei ganz unterschiedlichen Wegen, sich der technologischen Realität künstlerisch zu stellen. Dabei rücken wir mit dem Mikrophon das wichtigste aller Geräte ins Rampenlicht und machen es selbst zum Musikinstrument.

Erin Gee nutzt in ihren Mouthpieces oft mehrere Mikrophone für ein und dasselbe Instrument, um einzelne, ganz bestimmte Aspekte eines Klanges hervorzuheben. Dieser Ansatz ist nicht nur akustisch, sondern zuweilen auch optisch reizvoll, besonders in Mouthpiece XXIV, wo der Perkussionist Metallrohre anschlägt und sofort danach ins Wasser taucht. Die eigentümlichen Glissandi, die auf diese Weise im Aquarium entstehen, werden über Hydrophone wiedergegeben - spezielle Mikrophone für den Einsatz unter Wasser.

Karlheinz Stockhausens 1964 entstandene Komposition Mikrophonie I darf als ein Pionierwerk angesehen werden, der Verstärkungstechnik eine aktive musikalische Rolle zu geben. Ein Tamtam wird von beiden Seiten von jeweils einem Spieler mit verschiedensten Gegenständen in Schwingung gebracht. Zwei weitere Spieler tasten mit Mikrophonen das Instrument in genaustens notierten Bewegungen ab. Damit beeinflussen sie nicht nur aktiv den über Lautsprecher wiedergegebenen Klang, sondern machen auch für das menschliche Ohr ansonsten unhörbare Schwingungen wahrnehmbar. Wiederum zwei Spieler bearbeiten das Klangergebnis mit Bandpassfiltern, deren Frequenz ebenfalls kompositorisch fixiert ist.

Simon Steen-Andersen legt mit On And Off And To And Fro den Schwerpunkt auf das Eigenleben der Mikrophone. Nicht nur werden verschiedene technische Prinzipien – zum Beispiel das des Megaphons – und ihre Klangeigenschaften ausgelotet, sondern auch wie Mikrophone durch Rückkopplung als Klangerzeuger nutzbar werden und welches performative Potenzial sich daraus ergibt.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne und in Kooperation mit der Universität Mozarteum.